Der Gießen-Test (GT) wurde an der Universität Gießen in Deutschland entwickelt und erstmals 1972 veröffentlicht. Es handelt sich um einen multidimensionalen Persönlichkeitsfragebogen, der zur Bewertung verschiedener Aspekte der Persönlichkeit eingesetzt wird. Das Verfahren umfasst 40 Fragen und bewertet sechs Hauptpersönlichkeitsskalen:
- Skala Soziale Resonanz (Soziale Extraversion - SE) – die Fähigkeit, erfolgreich mit der Umwelt zu interagieren, und die subjektive Wahrnehmung der eigenen sozialen Rolle.
- Skala Dominanz (D) – Macht und Einfluss gegenüber Unterordnung und Nachgiebigkeit als psychosoziale Abwehrformen des Verhaltens.

- Skala Kontrolle (K) – die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und das Ausmaß, in dem diese sich manifestiert (von Gelassenheit bis Rigidität).

- Skala Grundstimmung (GS) – der emotionale Hintergrund und die Wege des Umgangs mit inneren Konflikten (Aggression – nach innen oder nach außen).

- Skala Durchlässigkeit – Abgeschlossenheit (OE/A) – der Grad der Offenheit gegenüber anderen Menschen, die Ausprägung des Urvertrauens.

- Skala Soziale Potenz (SP) – der Grad der Persönlichkeitsreife, die Fähigkeit zu aktiver sozialer Interaktion und emotionaler Belastbarkeit.

Neben den Hauptskalen umfasst der Fragebogen zwei Kontrollskalen, die eine Analyse des Antwortverhaltens ermöglichen:
- Skala der mittleren Antworten (M) – dient der Bewertung des Antwortcharakters und spiegelt die Häufigkeit der Wahl einer neutralen Position wider.

- Skala der extremen Antworten (E) – dient der Bewertung des Antwortcharakters und spiegelt die Häufigkeit der Verwendung kategorischer Bewertungen wider.

Die Version „SIE“ des Gießen-Tests (GT) stellt eine Form der Methode dar, bei der die Bewertung auf der Grundlage der Wahrnehmung und der Vorstellungen über ein bestimmtes Mädchen oder eine Frau erfolgt. Die Testperson antwortet auf die Aussagen, indem sie den Grad der Zustimmung in Bezug auf deren Verhalten, emotionale Reaktionen und Persönlichkeitsmerkmale wählt. Die Methodik zielt darauf ab, subjektive Interpretationen aufzudecken, die sowohl mögliche Züge der bewerteten Person als auch Besonderheiten der Einstellung und Wahrnehmung seitens des Befragten widerspiegeln.