Gießen-Test GT

Skala Kontrolle (K)


Skala Kontrolle (Kontrolle - KO) in der Struktur des Gießen-Tests dient der Bewertung des Grades an Selbstregulation, Organisiertheit und Verhaltensstabilität. Sie gibt Aufschluss darüber, wie sehr eine Person danach strebt, ihre Impulse zu kontrollieren, Regeln zu folgen und Ordnung zu halten – sowohl im äußeren Leben als auch in der inneren emotionalen Sphäre.

Der zentrale Messparameter dieser Skala ist das Niveau der Selbstkontrolle – also die Fähigkeit, einen beständigen Verhaltensstil beizubehalten, der an Genauigkeit, Planung, Sorgfalt sowie an moralisch-ethischen Orientierungspunkten ausgerichtet ist. Die Skala deckt ein breites Spektrum an Ausprägungen ab – von einer entspannten, spontanen, manchmal unbeschwerten Lebenshaltung bis hin zu einer pedantischen, disziplinierten und zuweilen übermäßig rigiden Orientierung an Ordnung.


Diese Skala kann zwei gegensätzliche Anpassungsstrategien widerspiegeln:

Es ist wichtig zu verstehen, dass ein hohes Maß an Kontrolle nicht immer von persönlicher Reife zeugt: Manchmal kann es ein Mittel zur Reduzierung von Angst oder innerer Spannung sein. Ebenso kann ein niedriges Niveau nicht nur Ausdruck von Leichtfertigkeit sein, sondern auch von Flexibilität, Kreativität und Freiheit von übermäßiger Rigidität. Alles hängt vom Kontext und der Kombination mit anderen Skalen ab.


Anwendung der Skala in verschiedenen Testvarianten:


Interpretation der Ergebnisse

Um eine standardisierte Interpretation der Ergebnisse des Gießen-Tests zu gewährleisten, werden die Primärwerte (Rohwerte) in T-Werte umgerechnet. Dieser Prozess der linearen Transformation gleicht die Punkteverteilung jeder Skala an ein einheitliches metrisches System an, das durch einen Mittelwert (M) von 50 und eine Standardabweichung (SD) von 10 gekennzeichnet ist. Dies ermöglicht einen normativen Vergleich individueller Werte mit einer Referenzstichprobe und vereinheitlicht die Interpretation der Ausprägung verschiedener Persönlichkeitsmerkmale, was den Vergleich zwischen den Skalen und die klinische Beurteilung des Persönlichkeitsprofils erleichtert.


Hohe Werte deuten auf ein ausgeprägtes Streben nach Ordnung, innerer Disziplin und Kontrolle über Emotionen und Handlungen hin. Das Verhalten wird als sehr organisiert, konsequent und regelorientiert wahrgenommen. Bei starker Ausprägung können Rigidität, übermäßige Forderungen an sich selbst und andere sowie mangelnde Flexibilität in spontanen Situationen entstehen. Oft besteht eine innere Einstellung zur Fehlervermeidung und der Wunsch, hohen Standards zu entsprechen.

Mittlere Werte weisen auf eine ausgewogene Vorstellung von Selbstkontrolle und Verhaltensfreiheit hin. Es zeigt sich eine innere Fähigkeit, das Verhalten situationsabhängig zu regulieren und Normen ohne übermäßige Strenge einzuhalten. Ein solches Kontrollniveau ermöglicht es, Verantwortung zu zeigen, ohne übermäßigen Druck auf sich selbst oder die Umgebung auszuüben.

Niedrige Werte hingegen zeugen von größerer Spontaneität, Flexibilität und Freiheit im Ausdruck von Emotionen. Es besteht eine Tendenz zu mehr Unmittelbarkeit, weniger Neigung, sich an strikte Rahmenbedingungen zu halten, und zu mehr Gelassenheit im Alltagsverhalten. Bei einer stark ausgeprägten Verminderung der Kontrolle können jedoch Schwierigkeiten bei der Selbstregulation und Impulsivität auftreten.