Biographisches Inventar zur Diagnose von Verhaltensstörungen (BIV) ist ein standardisiertes psychologisches Instrument, das auf die Erfassung individueller Verhaltensmerkmale und Muster zwischenmenschlicher Interaktion ausgerichtet ist. Die Methode basiert auf der Annahme, dass stabile Verhaltensformen unter dem Einfluss früher Erfahrungen, des familiären Umfelds und von Lernprozessen entstehen und mit biologischen sowie psychischen Faktoren interagieren. Frühe Sozialisation und Erziehungsstile werden als zentrale Bedingungen für die Entwicklung sozialer Einstellungen und Reaktionsweisen betrachtet, die sich im Verlauf des Lebens stabilisieren oder verändern können.
Der Fragebogen umfasst acht Skalen, von denen jede einen bestimmten Aspekt der biographischen und persönlichen Erfahrung abbildet:
- FAM (Familiäre Situation) – subjektive Wahrnehmung des familiären Umfelds, der Beziehungen zu den Eltern und der emotionalen Atmosphäre in der Familie.
- ICHSTK (Ich-Stärke) – Ausmaß an Selbstsicherheit, Stressresistenz und Fähigkeit zur Selbstverwirklichung.
- SOZLAG (Soziale Labilität) – Sensibilität gegenüber sozialen Einflüssen und emotionale Schwankungsbreite in zwischenmenschlichen Kontakten.
- ERZIEN (Erziehung) – Wahrnehmung elterlicher Erziehungsstrategien und deren Einfluss auf Selbstwertgefühl und soziale Einstellungen.
- N (Neurotizismus) – Grad emotionaler Instabilität, Ängstlichkeit und Neigung zu inneren Konflikten.
- SOZAKT (Soziale Aktivität) – Ausmaß an Kontaktfreudigkeit, sozialer Beteiligung und Orientierung auf Interaktion mit anderen.
- PSYKON (Psychosomatische Kontrolle) – Neigung zu körperlichen Stressreaktionen und Merkmale der emotionalen Regulation.
- E (Extraversion) – Stärke der Ausrichtung auf die Außenwelt, Offenheit und Bedürfnis nach sozialem Kontakt.
Die Gesamtheit der Skalenwerte ermöglicht es, individuelle biographische Voraussetzungen des Verhaltens zu rekonstruieren, Anpassungsmerkmale zu beurteilen und mögliche Tendenzen zu maladaptiven Reaktionsformen zu erkennen.